Freibier vor Heimspiel: Die Michaelis-Kirchweih startet bei Traumwetter
   

  

Otto Rainer Rudolph, dessen Vortrag des selbst gedichteten Fürther Kirchweihliedes von "Scheren, Schnur und Autopolitur" letztes Jahr ausfallen musste, war heuer wieder gut bei Stimme. Trotzdem hatte er einige Mühe, zwischen den Gesängen der Spielvereinigungs-Fans eine akustische Lücke für seinen Auftritt zu finden. Was den Fußballfreunden allerdings niemand übel nahm, schon garnicht der Oberbürgermeister: "Heute steht ein Kärwa-Spiel bevor, und das wird bekanntlich gewonnen", so Jung. (Zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung ist der Ausgang noch ungewiss! d.Red.!)

Die erste Kirchweih-Eröffnung war es für den neuen Dekan der Kirchengemeinde St. Michael, Jörg Sichelstiel, der mit der Festansprache seinen Vorgänger Michael Hochstädter ablöste. Erst seit 33 Tagen ist er im Amt und muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass aus seinem - laut OB "etwas unfränkisch" klingenden - Vornamen vom Oberbürgermeister persönlich ein "Schorsch" gemacht wird. Worauf es bei der Kirchweih ankommt, weiß er aber recht genau: Ein friedliches Fest für alle solle sie sein, so Siegel, und während gute Voraussetzungen wie das Wetter ein wahres Geschenk seien, müsse man sich um den Frieden schon aktiv selbst bemühen. Den Schaustellern solle die Stadt für die Dauer des Festes eine echte Heimat sein, so die Grußworte des Dekans.

Die Schausteller bemühen sich derweil um die praktische Umsetzung familienfreundlicher Ideen, wie Helmut Dobler, Vorsitzender der Sektion Fürth des Schaustellerverbandes, im Interview mit Volker Heißmann berichtete. So sei auch dieses Jahr wieder der Orgelpark eingerichtet worden, und mit dem stimmungsvollen Eröffnungfeuerwerk, sowie dem "Kärwa-Gwerch" am kommenden Donnerstag und der Laser-Feuer-Show am 9. Oktober gebe es ebenso traditionelle, wie innovative kostenlose Attraktionen für die Gäste.

Nicht ganz kostenlos, aber im Vergleich zu anderen Festbieren günstig, gibt's das Michaelis-Kirchweih-Festbier, das sich neben dem respektablen Alkohol- und Stammwürzegehalt durch eine weitere Besonderheit auszeichnet. Laut Tucher-Vertriebsleiter Karl-Heinz Wöhrle wird es nicht nur im einzigen Brauhaus Deutschlands hergestellt, das sich - exakt an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth errichtet - auf die Gebiete zweier Städte erstreckt. Vielmehr werde das Fürther Kirchweihbier tatsächlich nur in dem Gebäudeteil eingebraut, der auf Fürther Grund steht. 1000 Hektoliter gibt es heuer von dem Gerstensaft - das sollte eine Zeit lang reichen.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung war besonders stolz, für den Fass-Anstich einen eigenen Schlegel benutzen zu dürfen, den er schon vor längerem von den Sacker Kärwaburschen überreicht bekommen hatte. Die Sacker Kirchweih ist in allen Stadtteilen und dem Fürther Umland in der jährlichen Kirchweih-Saison immer die erste, und dementsprechend schließt sich für Dr. Jung der Kreis mit der Michaelis-Kirchweih als Höhepunkt des Jahres. Der Oberbürgermeister dankte den Anwohnern, deren Toleranz es ermögliche, dass die Fürther Kirchweih mit ihrer Straßensperrung und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten die Tradition der Innenstadt-Kirchweih fortsetzen könne. "Jung und alt, arm und reich, bei der Kärwa sind wir alle gleich", so der OB. Der Reim sei nicht beabsichtigt gewesen - passend sei er allemal. 

Bevor er schließlich das Festbier mit vier Schlägen zum Laufen brachte, ermutigte Jung seine Bürger zu etwas mehr Selbstbewusstsein: "Der Spruch 'Fürth zieht nicht an aber hält fest' stimmt schon lang nicht mehr. Es zieht sehr wohl an". Während der Michaelis-Kirchweih, da sind sich wohl alle einig, gilt das noch ein bisschen mehr als sonst.

 

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