




 v.l.n.r. Heinz Lehneis mit Ehefrau Lissy, "Haus- und Hofmechaniker" Thomas Bierbaum, Junior Herbert Lehneis | | Seit Freitag ist die ganze Familie Lehneis mit mehreren Helfern auf den Beinen, um sowohl die Tiere, als auch die Geschirre und die Fuhrwerke für den Festzug vorzubereiten. Zum Einsatz kommen sechs Rheinische Kaltblutpferde für das Gespann der Tucher-Bräu, vier für die Zirndorfer Brauerei und zwei für den Planwagen des Bierführervereins. "Da sitzen die älteren Vereinsmitglieder drauf, die nicht mehr mit dem Festzug gehen können", erzählt der Chef Heinz Lehneis, "einer ist schon über achtzig. Viele von ihnen haben in ihrer Jugend noch als Bierkutscher gearbeitet". Zwei Haflinger sind auch mit von der Partie, sie werden vor kleinere Kutschen gespannt - und sehen im hofeigenen Badesalon neben "Hugo" geradezu zierlich aus.
Sie alle stehen für den Rest des Jahres keineswegs untätig herum. Fast jedes Wochenende von April bis Ende Oktober arbeiten sie bei den Festen im Umkreis, und auch im Winter bei Postkutschenfahrten und dem Nürnberger Christkindlesmarkt. In der Landwirtschaft braucht man sie ebenfalls - zwar nicht mehr auf dem Acker, aber beim Holzrücken. So muss Heinz Lehneis mit ihnen beispielsweise einen Sortenversuchswald aufräumen, in dem Maschinen wegen der möglichen Schäden an Bäumen und Gelände nicht eingesetzt werden können.
Im Alter von zwei Jahren werden sie allmählich an das Fahren gewöhnt, und mit etwa vier Jahren dürfen sie das erste Mal zum Festzug - "aber das ist wie bei den Menschen", grinst Lehneis, "manche kapieren schnell und bei anderen dauert's länger!" Wer sich anständig benimmt, hat dann ein langes Arbeitsleben vor sich; Dienstältester am zweiten Fürther Kirchweihsonntag ist heuer der Hengst "Ali" mit 15 Jahren. Auf dem Hof gibt es selbstverständlich auch vierbeinige Rentner: Der 25jährige "Max" (drittes großes Bild) braucht sich längst nicht mehr mit holprigem Pflaster abmühen, sondern bleibt auf der Weide, und zwar "bis er nicht mehr aufsteht", so der Chef.
Der Haupterwerbszweig der Familie ist der Gemüseanbau, aber das Geschäft mit den Kutschfahrten hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen zweiten Standbein entwickelt. Dafür haben praktisch alle - "vom Opa bis zur Schwiegertochter" - den Führerschein für Pferdegespanne gemacht, um auf öffentlichen Straßen fahren zu dürfen. Dieses amtliche Dokument mit Lichtbild und Stempel sieht einem Autoführerschein ziemlich ähnlich, und man kann es auf sehr ähnliche Weise verlieren: Nicht nur am Steuer, sondern auch am Zügel ist Nüchternheit angesagt.
Sämtliche Fuhrwerke und Kutschen stehen im Moment noch in der Maschinenhalle eines Nachbarn. Dort werden auch die prächtigen Geschirre in langen Reihen aufbewahrt - und am Nachmittag vor dem Festzug natürlich auf Hochglanz poliert. Am Sonntag heißt es dann um vier Uhr aufstehen, füttern und, wo nötig, noch ein bisschen nachputzen; ab neun setzen sich die Gespanne direkt von Wetzendorf aus Richtung Fürth in Bewegung.
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